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Ein Stadtteil mit Bergbautradition

Das Gutshaus Fritscheshof während seiner Sanierung
Das Gutshaus Fritscheshof während seiner Sanierung

Das unter Denkmalschutz stehende Gutshaus im Fritscheshofer Hauerweg hat Rüstung angelegt. Nach fast 150 Jahren lässt sich der rote Klinkerbau für die Zukunft herrichten. Am 28. Juli 1873 „geruhte“ seine Königliche Hoheit, Großherzog Friedrich Wilhelm von Mecklenburg-Strelitz, dem auf der Neubrandenburger Feldmark gelegenen Gehöft des Herrn Fitsche den Namen „Fritscheshof“ beizulegen.

 

Besagter Fritsche gehörte wie der Brauereibesitzer und Vierrademühlen-Pächter Franz Moncke, der Kornhändler und Fuhrunternehmer Carl Tiedt oder der Advokat Loeper zu den Neubrandenburgern, denen es mit der 1865 erfolgten Separation der Feldmark, einer Flurbereinigung, erlaubt war, ihre Ackerflächen künftig von einem Ausbau aus zu bewirtschaften. Ihre zuvor verstreut liegenden Ackerstücke waren in einem Jahre währenden Prozess, bei dem es um die Ablösung der allgemeinen Weide- und anderer Rechte sämtlicher Bürger der Viertorestadt ging, zu größeren Komplexen am Rande der städtischen Feldmark zusammengefasst und ihnen zusammen mit neuem Land, als Entschädigung für alte Rechte, als Eigentum zugewiesen worden.

 

Jeder Hufenbesitzer bekam Grundbesitz, dessen Güte durch die Güte des Bodens mitbestimmt war. Letzteres erklärt, warum nun auf dem Küssower Schlag liegenden Besitz Fritsches eine Ausnahme gemacht wurde. Statt, wie in der Separationsurkunde festgelegt, maximal acht Hufen durfte er von seinem Ausbau zehn bewirtschaften. Quarzsande – heute die Geschäftsgrundlage der Quarzsandwerk Neubrandenburg GmbH & Co. KG – bringen nun einmal keine hohen Bodenwerte. Sie gestatten auch keine großen Erträge.

 

Bis zur Bodenreform hatte Fritscheshof sechs Eigentümer. Dem Namensgeber folgte 1890 Ludwig Nürnberg. Zwei Jahre folgte Friedrich Kortüm, der rund zwei Jahrzehnte die Geschicke des Gutes bestimmte und erst zur Jahrhundertwende Mecklenburg-Strelitzer Staatsbürger wurde. Unter Friedrich Kortüm wurde aus dem Gehört das Stadtgut Fritscheshof, wobei sich die Einwohnerzahl innerhalb von sieben Jahren verfünffachte, von 13 im Jahr 1907 auf 60. Von der positiven Wirtschaftsentwicklung profitierte auch der nachfolgende Besitzer Georg Schröder. Er bat 1921 den Rat der Stadt um eine Ausnahmegenehmigung. Er wünschte die Befreiung von den Auflagen der Separationsurkunde, nach der er nur zehn Hufen von Fritscheshof aus bewirtschaften durfte. Er erhielt den Dispens und vergrößere die Feldwirtschaft von 128 auf 168 Hektar. Während Schröder den Acker kaufte, pachtete Major a.D. Hans Becker, der letzte Besitzer Fritscheshof weitere 25 Hektar hinzu, um die Viehwirtschaft zu stärken.

 

Nach der Bodenreform ging die Entwicklung von Fritscheshof eng mit der Umsetzung des Befehls 209 der Sowjetischen Militäradministration einher, der den Bau von Neubauernhäuser regelte. Ursprünglich sollten in den vier „Dorfgemeinden“ der Stadt (Küssow, Monckeshof, Carlshöhe und Fritscheshof“ nur zwölf Siedlungen entstehen. 1948 standen aber 36 auf der Liste. Deren Bau, bis Mitte 1948 waren davon neun zu mehr als 75 Prozent fertig, fünf zu 50 bis 75 Prozent, vier zu 25 bis 50 Prozent und sieben von ein bis 25 Prozent fertig, hemmte auch den Wiederaufbau Neubrandenburgs. Daher wurde die Stadt Ende 1948 aus der Verantwortung für das Neubauernbauprogramm entlassen. Verbunden war das mit weiteren Bauverzögerungen auf den alten Stadtgütern.

 

Nachdem 1952 auch dort die Kollektivierung der Landwirtschaft auf die Tagesordnung gesetzt wurde, flohen in den Folgejahren immer mehr Bauern in den Westen. In Fritscheshof konnte das „Ausbluten“ durch die Ansiedlung entlassener Arbeiter aus dem Uranbergbau der SDAG Wismut gestoppt werden. Die sozialistische Geschichtsschreibung  machte daraus das Heldenepos von den Industriearbeitern die ihre gesicherte Existenz aufgegeben haben und aufs Land zogen. In Wirklichkeit wurde damit nur einer Gruppe von Arbeitslosen Bergleuten aus Johanngeorgenstadt die Möglichkeit gegeben, ein Auskommen zu finden. Im Erzgebirge bot für sie aufgrund der intensiven Modernisierungsmaßnahmen bei der SDAG Wismut keine Chance auf einen neuen Arbeitsplatz.

 

1956 wurde in Fritscheshof der Bau der ersten Häuser für die Wismutkumpel begonnen. Im März 1957 gründeten sie die LPG „Wismut“. Im gleichen Jahr erfolgte der Anschluss des Dorf-Stadtteils an die zentrale Trinkwasserversorgung Neubrandenburgs. Und im August wurde mit Hilfe der MTS Chemnitz die erste der Genossenschaft eingebrachte. Hörte die LPG „Wismuts“ in Fritscheshof auf zu bestehen. Auf einem Teil ihres Ackerlandes entstanden Häuser der Oststadt. Auf dem anderen begann 1990 der Quarzsandabbau. An die „Bergbaugeschichte“ des Stadtteils erinnern nur noch Straßennamen wie Hauerweg, Erzgang oder Füllortweg.