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Vater & Sohn - Minister & Polizist

Auf dem Gemälde mit Neidhardt von Gneisenau und Carl von Clausewitz in Koblenz ist auch der frühere Ober-Polizei-Direktor in Stuttgart, Carl Friedrich von Jasmund (3.v.l.) zu sehen. Foto: Bundeswehr/Dirk Bannert
Auf dem Gemälde mit Neidhardt von Gneisenau und Carl von Clausewitz in Koblenz ist auch der frühere Ober-Polizei-Direktor in Stuttgart, Carl Friedrich von Jasmund (3.v.l.) zu sehen. Foto: Bundeswehr/Dirk Bannert

Vor allem mit seiner historischen Sammlung, die seine Mitlieder im Polizeipräsidium, Eingang über die Kantine in der Pantanusstraße, präsentieren, steht der Verein Polizei im Wandel der Zeit Neubrandenburg e. V. im Blickpunkt der Öffentlchkeit. Im Hintergrund beschäftigen er sich aber auch mit der Mecklenburger Polizeigeschichte, die mehr als 220 Jahre alt ist. Eine Episode in der zwei Gutsbesitzer aus der Nähe von Neubrandenburg, der Königlich Württembergische Staatsminister Ludwig Hellmuth von Jasmund, und sein Sohn Carl Friedrich von Jasmund als Ober-Polizei-Direktor verwickelt sind, ist die Ausweisung des Komponisten Carl Maria von Weber und seines Vaters aus Stuttgart.

Was war passiert?

Carl Maria von Weber
Carl Maria von Weber

Am 9. Februar 1810 wurde der Carl Maria von Weber, den Menschen, die zu DDR-Zeiten hier im Osten Deutschlands die  Schule besucht haben und aufgewachsen sind, nur als den Komponisten der ersten deutschen Nationaloper – „Der Freischütz“ – kennen,  in Stuttgart wegen des Verdachts der Untreue, des Diebstahls und der Beteiligung an Wehrdienstmanipulationen verhaftet.  

Der 23-Jährige war zu dem Zeitpunkt Sekretär des Herzogs Ludwig von Württemberg, dem Bruder des Königs. Als solcher hatte er sich auch um dessen zerrüttete Finanzen zu kümmern. Weber wurde vorgeworfen sich 1000 Gulden vom Metzger Hönes aus Schwieberdingen gegen die Zusage geliehen zu haben, für die Entlassung dessen Sohnes aus dem Wehrdienst zu sorgen. Darüber hinaus soll er 55 Friedrichsd’or, das entsprach etwa seinem Jahresgehalt, vom Konto des Herzogs abgehoben und für eigene Zwecke verwendet zu haben, statt damit die Schulden des Herzogs zu tilgen. Schließlich wurde bei der Durchsuchung von Webers Wohnung Silber aus dem herzoglichen Haushalt gefunden.

Da der Vorwurf der Wehrdienstmanipulation die Interessen des Königs berührte und der annahm, dass sein Bruder in die Sache verwickelt sei, schaltete sich der Monarch selbst in die Ermittlungen ein. Der Herzog litt unter chronischer Ebbe in seiner Privatschatulle, weshalb er Wehrdienstpflichtigen hinter dem Rücken seines königlichen Bruders gegen „Kautionen“ scheinbare Stellungen am Hofe verschaffte, was seinerzeit die Befreiung vom Wehrdienst zur Folge hatte.

 

Den Vorwurf des Silberdiebstahls wies Carl Maria von Weber zurück. Dass 55 Friedrichsd’or fehlten gab er zu.  Er machte aber geltend, noch Forderungen gegen den Herzog zu haben, dem er immer wieder Geld habe leihen müssen. Was die Anleihe vom Metzger Hönig betrifft,   die bestätigte er. Er bestritt aber, davon gewusst zu haben, dass dessen Sohn dafür vom Wehrdienst befreit werden sollte. Sein Reitknecht Huber, der den Kredit eingefädelt habe, könnte solche Versprechungen gemacht haben.

 

Die Recherchen wegen der genannten Vorwürfe waren zwei Tage nach der Verhaftung Webers abgeschlossen.

Der Vorwurf des Silberdiebstahls galt als ausgeräumt. Weber hatte offenbar eine plausible Erklärung für den Silberfund in seiner Wohnung geben können, über die in den Akten aber nichts zu finden ist.

Hinsichtlich der veruntreuten Gelder schlossen der Herzog und Weber einen Vergleich, in dem beide Parteien auf eventuell noch bestehende Ansprüche verzichteten.

Der Vorwurf der Beteiligung an Wehrdienstmanipulationen wurde fallengelassen.

Deal!

 

Dass man Weber dennoch nicht als Gefangener auf der Festung Hohenasperg landete, dürfte an einem Schreiben des Herzogs liegen, das er als Sekretär in seiner Wohnung „aufbewahrte“. In dem Brief bat Herzog Ludwig den König um die Freistellung des jungen Hönes vom Wehrdienst. Er wollte ihn auf einem seiner Güter anstellen.

Familiäre Schadensbegrenzung war wichtiger als das Interesse an der Aufklärung des Falles Weber.

 

Bei der Aufarbeitung des Falles wurde allerdings der problematische Zustand von Webers eigenen Finanzen bekannt. König Friedrich ordnete daher die Überprüfung von dessen Schulden an. Webers Gläubiger wurden aufgefordert, sich bis 17. Februar 1810 zu melden. Bis dahin solle der Komponist in Haft bleiben. Darauf meldeten sich 42 Gläubiger und beantragten, Weber als verschuldeten Ausländer in Haft zu belassen. Es stellte sich heraus, dass Weber schon in Schlesien, von wo er nach Württemberg gekommen war, erhebliche Schulden hinterlassen und dass er auch in Stuttgart wieder auf zu großem Fuß gelebt hatte – unter anderem hatte er sich ein eigenes Pferd und einen Stallburschen, Huber eben, geleistet, um mit den Damen der Gesellschaft ausreiten zu können. Seine Schulden betrugen 2600 Gulden, was dem Sechsfachen seines Jahresgehaltes entsprach.

Herzog Ludwig hatte den Bock zum Gärtner gemacht.

Nachdem die Gläubiger nicht bereit waren, für die Kosten der Haft aufzukommen, wurde Weber auf Anordnung König Friedrichs am 26. Februar 1810 gegen das Versprechen, seine Schulden zu bezahlen, freigelassen und noch am gleichen Tage über die Grenze nach Baden abgeschoben.Zwei Tage zuvor hatte sich Staatsminister Ludwig Hellmuth von Jasmund in seiner Eigenschaft als Kultusminister beim Ober-Polizei-Direktor von Stuttgart nach den Kosten der Abschiebung erkundigt. Zu dem Zeitpunkt übte sein Sohn, gerade einmal 27-jährig, vertretungsweise dieses Amt für zwei Jahre aus. Eigentlich war der Sohn des Ministers Geheimer Legationsrat und vortragender Rat im Ministerium für auswärtige Angelegenheiten des Königreiches Württemberg. Drei Jahre, nach der Völkerschlecht bei Leipzig, später führte der fähige Carld Friedrich von Jasmund die Geheimverhandlungen, die das Königreich Württemberg von der Seite Napoleons auf die Seite seiner Gegner wechseln ließ.

 

Geht man übrigens davon aus, dass Weber seine Gläubiger über seine desolaten wirtschaftlichen Verhältnisse nicht aufklärte,  um Leistungen und Kredite in Größenordnung zu erlangen, läge nach heutiger Rechtsauffassung sogar ein strafrechtliches Vergehen vor.

 

Während Carl Maria von Weber auf Schulden von 2600 Gulden schauen konnte, etwa dem Sechsfachen seines Jahresgehaltes,  was demzufolge bei rund 400 Gulden gelegen haben dürfte, also besagte 55 Friedrichsd’or, verdiente Kultusminister von Jasmund entsprechend deinem Dekret König Friedrichs vom 28. Mai 1807 7500 Gulden in bar. Dazu gab es 56 Metz Holz und 56 Scheffel Hafer, so dass er alles zusammengenommen auf Bezüge von 8508 Gulden kam.